Malaise unter Mafiosi

ln der St. Pauli Ruine wird die Spielzeit mit ,,Diener zweier Herren" eröffnet.

Vollbeschäftigt und doch ständig blank. Da Arlecchino trotz emsiger Arbeit als Diener so gut wie nichts in den stets hungrigen Magen bekommt, sucht er sich einen Zweitjob. Als Diener zweier Herren wird er zum neuzeitlichen Vertreter des Prekariats, das sich ohne Netz und doppelten Boden auf dem Billiglohnsektor durchschlagen muss. Und er zeigt uns, wie frech, unverschämt, gewitzt und dreist man sein muss, um dort nicht zu kurz zu kommen. Carlo

Goldonis 1746 erstmals in Mailand aufgeführtes Stück "Diener zweier Herren“ gilt dank seiner auf der Basis der Commedia dell'arte entwickelten Ingredienzien Slapstick, Aberwitz, Tempo, Spannung und Romantik als Musterbeispiel des Komödiengenres - und ist in Zeiten, wo über ,,neue Armut“ und Mindestlöhne debattiert wird, durchaus von Brisanz. Mit diesem Stück eröffnet nun das Ensemble der St. Pauli Kirchruine nach der Überdachung des Kirchenschiffs und sonstigen Sanierungsarbeiten die neue Spielzeit.

Die Hommage an die Vitalität des Theaters wird aber Regisseur Jörg Berger und seinen Mitstreitern aber nicht pur, sondern in der Bearbeitung des Stoffes durch Peter Turrini auf die Bühne gebracht. Turrinihat die Geschchte im Mafia- Milieu angesiedelt – Arlecchino landet aus Geldnot als Sündenbock für gar nicht begangene Morde innerhalb der „ehrenwerten Gesellschaft“ im Knast. „Die Rollen sind gegen das Geschlecht besetzt, um ohnehin stete Verwirrung noch weiter zu treiben“, sagt der Regisseur.

 

 

 

SZ
Christian Ruf
24.05.2012