,,Großartig"

Am 26. Mai startet die St. Pauli Ruine mit der Eröffnungspremiere ,,Der Diener zweier Herren" in neuem Gewand in die neue Saison. Der Geschäftsführer und künstlerische Leiter Jörg Berger hat im Gespräch mit FRIZZ Das Magazin einige Vorab-Einblicke in die kommende Theatersaison gegeben. ie Stesad feiert heute ihr 20-jähriges Bestehen in der frisch überdachten Kirche.

Herr Berger, wie fühlen Sie sich hier unter dem neuen Dach der St. Pauli Ruine?

Dazu fallen mir nur Superlative ein. Großartig! Es ist ein sehr erhabenes Gefühl drinnen zu stehen und die Größe des Raumes völlig aufzunehmen zu können. Durch das neue Glasdach hat der Raum in der St. Pauli Ruine eine neue große Klarheit dazu gewonnen. Ich findebesonders die Brechung zwischen den alten Mauern mit den modernen Elementen, die ja eher funktional sind, wunderschön. Wir haben uns bewusst gegen einen Rückbau oder Wiederaufbau und eher für eine Nutzbarmachung mit ästhetischem Anspruch entschieden. Ich bin mit dem Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen unserem Verein und den Architekten sehr glücklich. Meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Die Bedingungen mit denen wir vor dem Umbau arbeiten mussten, haben uns in der letzten Spielzeit und eigentlich schon davor an den Rand unserer Möglichkeiten gebracht. Jetzt haben wir alle Möglichkeiten.

Mit dem Stück ,,Der Diener zweier Herren" wird am 26. Mai in der St. Pauli Ruine die neue Spielzeit eröffnet. Warum starten Sie gerade mit Goldonis Komödienklassiker?

Wir sind auch schon früher dem Konzept gefolgt, eine gesunde Mischung zwischen ernsthaften Stücken und Komödien anzubieten. Ein Sommertheater, wie wir es nun mal sind, sollte auch leichte Stücke anbieten.Damit meine ich natürlich nicht, dass die Komödie weniger anspruchsvoll oder tiefgründig ist. Dass wir mit diesem Stück in die neue Spielzeit starten, hat auch pragmatische Gründe. Die zweite Premiere wird dafür keine Komödie sein. ,,Purcells Traum von König Artus" ist eine Mischung aus Theater und Semi-Opera. Für dieses Stück ist eine längere Probezeit notwendig, die wir für unsere Eröffnungspremiere leider nicht zur Verfügung haben.

Was können die Zuschauer noch an Bühnenhighlights in den Sommermonaten erwarten?

Wir werden insgesamt fünf Stücke auf die Bühne bringen und möglichst viele Konzerte anbieten. ,,Figaros Hochzeit" und ,,Der Campiello" passen als sommerliche Komödien genremäßig gut zu ,,Der Diener zweier Herren“. Dem gegenüber steht vor allem die zweite Premiere dieser Saison „Purcells Traum von König Artus“. Das Stück hat ziemlich viel mit uns zu tun. Thematisch geht es um ein altes Opernhaus, eine Ruine, die von Investoren in einem Großprojekt ausgebaut werden soll. Ein Interessenkonflikt zwischen ideellen und materiellen Werten entsteht und ich glaube, etwas Passenderes gibt es gar nicht. Dieses Stück haben wir uns ganz bewusst ausgewählt. In der letzten Spielzeit hatten wir keine Premiere, umso glücklicher sind wir gleich mit zwei Premieren an den Start zu gehen.

Sie arbeiten auf der Bühne vorrangig mit Laiendarstellern. Was steckt hinter diesem Entschluss?

Das haben wir so gewollt. Jeder, der spielen möchte, kann auf die Bühne. Ich versuche die Stücke natürlich dementsprechend zu wählen. Die Arbeit mit leidenschaftlich arbeitenden Spielern macht viel Freude für alle Beteiligten. Mir wird in den Proben viel pädagogisches Geschick abverlangt. Die Mischung zwischen Darstellern, die schon lange dabei sind und ganz neuen, die gerade erst begonnen haben, ist eine sehr produktive. Man nimmt sich mit auf dem Weg. Das hat bis jetzt ausnahmslos geklappt und ist natürlich harte Arbeit für alle. Auch wenn man nach den Proben erschöpft ist, würde ich sagen, dass es trotzdem eine gute Erschöpfung ist. Am Ende sind wir ja für den Zuschauer auf der Bühne.

In Kulturkreisen herrscht gegenwärtig eine intensive Debatte über kapitalismuskonforme Bühnen. Sind Theater für Sie marktrelevant?

Das ist nicht mein Thema. Wir haben von Beginn an ohne Förderung und Absicherung gearbeitet. Und wir mussten in den elf Jahren viele Durststrecken ohne Förderungen überstehen. Noch heute finanzieren wir uns fast ausschließlich über die Einnahmen durch das Publikum. Wir sind also schon immer darauf angewiesen, dem Publikum zu gefallen. In dem semiprofessionellen Bereich, in dem wir uns befinden, ist jeder Euro der hineingefördert wird zehn Euro wert. Ein Theater wie wir lebt von einer Basis an Leuten, die ehrenamtlich mitmachen wollen. Durch den Ausbau der St. Pauli Ruine werden wir jedoch mit enormen Betriebskosten konfrontiert, die auch wir ohne Unterstützung nicht mehr bewältigen können.

Die St. Pauli Ruine ist also kein marktrelevantes Theater, aber ein kulturrelevantes. Was ist ihr Erfolgsgeheimnis, wenn Sie es denn verraten möchten?

Spaß und Ehrlichkeit. Ich möchte, dass die Spieler Freude bei den Proben haben und die Lust zu spielen auf die Bühne bringen, damit der Zuschauer Spaß bei der Vorführung haben kann. Ich versuche zusammenzuhalten und zu entwickeln. Das ist das ganze Geheimnis.

 

 

 

FRIZZ
05/2012
sb