St. Pauli Ruine bekommt Flachdach

Wegen zu hoher Kosten wird aus dem Wolken-Dach nichts. Jetzt soll ein flaches Glasdach gebaut werden. Baustart ist im Oktober.

Die geplante wolkenförmige Dachkonstruktion für die St.-Pauli-Ruine im Hechtviertel ist gescheitert. Stattdessen soll nun ein flaches Glasdach gebaut werden. Das teilte der Projektleiter der STESAD, Steffen Senke, mit. Das städtische Unternehmen ist Eigentümer der Ruine und verantwortlich für deren Sanierung. Grund für die Planänderung sind die Kosten. Laut Senke hätte der Bau des Wolkendachs den gesteckten Rahmen von 2,6 Millionen Euro für das Dach, die Sanierung der Ruine und den Einbau einer Toilettenanlage gesprengt. ,,Größere Einsparungen sind nur beim Dach möglich", sagte Senke. Derzeit laufe die Entwurfsplanung für die neue Konstruktion. Eine Ansicht, wie die Glas-Stahl-Struktur aussehen soll, gibt es noch nicht. „Dass es ein Flachdach wird, steht aber fest", sagte Senke. Im Oktober dieses Jahres soll der Bau des Daches beginnen. Am 1. Mai 2012, so der Plan der STESAD, ist die Sanierung abgeschlossen. Architekt des Flachdachs ist Michael Dähne. Er hatte auch das Wolkendach entworfen. Ende des vergangenen Jahres habe er erfahren, dass die Entscheidung für ein Flachdach gefallen sei. Seitdem arbeitet Dähne an dem Entwurf für die neue Konstruktion. Der 55-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass er lieber das Wolkendach gebaut hätte. ,,Wir sind nicht so ganz glücklich mit dem Flachdach", sagt Dähne. ,,Die Wolke wäre ein Anziehungspunkt für das Viertel gewesen." Auch bei diesem Entwurf habe er mit den zur Verfügung stehenden 2,6 Millionen Euro kalkuliert, sagte Dähne. Allerdings stammen die Berechnungen aus dem Jahr 2007. Seitdem habe es Preissteigerungen beim Material gegeben. Außerdem müsse nun noch eine mechanische Lüftungsanlage eingebaut werden. Diese Mehrkosten werden durch eine billigere Dachkonstruktion ausgeglichen. Etwa 300 000 Euro sei das Flachdach billiger als die Wolke, so Dähne. Das Flachdach wird nun auf die Seitenwände der Kirchruine gebaut. Allerdings werden die Mauern noch um etwa drei Meter mit einer Glaskonstruktion erhöht. Hier werden Lamellen eingebaut, die für eine natürliche Lüftung sorgen sollen. Während der Veranstaltung werden die Lammellen aus Lärmschutzgründen geschlossen und die mechanische Lüftung springt an. Das Flachdach bekommt eine leichte Neigung, damit Regenwasser ablaufen kann. Anders als bei der Wolkenkonstruktion sind die Giebel der Kirche nun ausgespart. Kritik an dem Flachdach kommt vom Verein Theaterruine St.-Pauli. Er ist Hauptnutzer der Ruine. ,, Wir haben versucht, uns dagegen zu wehren", sagte der Vorsitzende Jörg Berger. Man habe sogar versucht, zusätzliches Geld für die Umsetzung der Wolke zu beschaffen. Die STESAD sei jedoch nicht daran interessiert gewesen. Sie habe generell an der technischen Umsetzbarkeit der Wolke gezweifelt. „Wir haben uns jetzt damit abgefunden und freuen uns, dass es überhaupt eine Lösung gibt", sagte Berger.

 

 

 

SZ
20.01.2011
Tobias Winzer