Dresdens schönstes Sommertheater gibt es nur noch in dieser Saison unter freiem Himmel. Dann bekommt die Theaterruine St. Pauli ein Dach

Ruine bekommt ab September ein neues Glasdach

Die Glasdachkonstruktion wird mit einem Kran auf die St.-Pauli-Ruine gehievt. Ende November soll das Dach fertig sein

Die Sanierungsarbeiten an der St.-Pauli-Ruine kommen jetzt in ihre heiße Phase. Im September beginnt der Aufbau des Glasdachs über dem Kirchenschiff. Das sagte Stesad- Geschäftsführer Axel Walther. Die Stadtentwicklungstochter ist Eigentümer der Ruine und verantwortlich für deren Sanierung. Die Arbeiten, die Anfang des Jahres starteten, kosten insgesamt 2,6 Millionen Euro. Im April 2012 ist die Fertigstellung geplant. Für die Spielzeit des St.-Pauli-Theatervereins waren die Arbeiten im Juni und Juli unterbrochen worden. Bereits im Januar hatte der Einbau einer WC-Anlage im Untergeschoss der Kirchruine begonnen. Die Arbeiten wurden im Mai abgeschlossen. Die Toiletten entstanden unterirdisch in der Nähe des Eingangs zur Ruine. Sie sind künftig über Treppen vom Kirchenraum aus erreichbar. Dafür wurde ein Teil des Fußbodens ausgehoben. In dieses neu geschaffene Untergeschoss führt künftig der behindertengerechte Zugang zur Ruine. Ein Fahrstuhl bringt die Rollstuhlfahrer ins Erdgeschoss.

Backsteine ausbessern

Ab 1.August wird dann die gesamte Ruine nach und nach eingerüstet. Einige marode Sandsteinelemente und Backsteine werden dabei ausgebessert und ersetzt. „Wir müssen die Verkehrssicherheit herstellen“, sagt Architekt Colin Nürnberger. Im September starten die Bauarbeiten am neuen Glasdach. Die Stahlkonstruktion für das Dach wird zunächst neben der Kirche vorbereitet. So entstehen vier Segmente. Bagger hieven diese rund 17 Meter langen Teile auf das Kirchenschiff. Die Mauerkronen wurden deshalb bereits mit einem Stahl-Beton-Ringanker versehen.

Kirchenglocke kehrt zurück

Anschließend werden zwischen die sogenannten Binder 200 Glasscheiben gesetzt und verfugt. „Ende November ist das Dach fertig“, sagt Axel Walther. Die bruchsicheren Scheiben sind zwei mal zwei Meter groß und rund zwei Zentimeter dick. Das Dach hat künftig zwei Funktionen: Es soll Anwohner vor den Geräuschen des Theaterbetriebs schützen und die Mauern vor dem Verfallbewahren. Auch die Kirchenfenster werden verglast. Danach beginnt der Innenausbau in der dann überdachten Ruine. Unter anderem wird eine Sicherheitsbeleuchtung für Notfälle und die neue Lüftungsanlage eingebaut. Die Lüftung ist nötig, weil die Ruine künftig während der Theatervorstellung verschlossen ist. An der Ostseite des Kirchenschiffs entsteht außerdem eine Empore für die Theatertechnik. Bis zum Ende der Sanierung kehrt außerdem die Bronzeglocke der St.-Pauli-Gemeinde in den Glockenturm zurück. Vor fünf Jahren musste sie aus Sicherheitsgründen abgenommen werden. Die Glocke steht seitdem vor dem Gemeindehaus in der benachbarten Fichtenstraße 2. Mit Stahlträgern soll der Kirchturm nun stabilisiert werden. Darauf wird ein zwei Meter großer Glockenstuhl aus Eichenholz gebaut. In diesen wird die etwa 1,50 Meter große Glocke gehängt. Der Glockenstuhl und das Aufhängen der Glocke kosten rund 16 000 Euro. Die Arbeiten werden über Spenden der Kirchgemeinde finanziert.

 

 

SZ
23./24.07.2011
Tobias Winzer