,,Der Campiello" feierte Premiere

Er nennt sich ,,Geschäftsmann mit wechselnden Niederlassungen", ist aber nur ein ambulanter Händler, der in einem italienischen Dörfchen Nadeln vertickt. Auch vor der naiven Gnese breitet er seine Waren aus. Zum Missvergnügen seiner Verlobten Lucietta. ,,Na, hat er seinen Faden in dein Nadelöhr eingefädelt?" keift sie. Gnese weiß leider nicht, worauf sie anspielt. Die Nachbarn auf dem Dorfplatz, dem ,,Campiello", dafür umso mehr... Das neue Stück des St. Pauli Theaters hatte am 9. Juli Premiere. Es bietet nicht nur fantasievolle Umschreibungen für Zwischenmenschliches, sondern eine lebenspralle Geschichte, dargeboten voller Spielfreude. In der Komödie von Carlo Goldoni kommt ein. Fremder in den dörflichen Mikrokosmos und bringt das Leben der Bewohner durcheinander. Am Ende wird alles gut: Drei Paare finden sich, und die Brautmütter Catte und Pasqua trösten und sticheln sich über die Mühen des Lebens hinweg wie ehedem.

Das Publikum folgt begeistert der neuen Inszenierung von Jörg Berger. Manche Dialoge sind ein wenig schwer zu verstehen. Hier merkt man, dass alle Schauspieler Laien ohne langjährige Stimmausbildung sind. Ansonsten leisten die Darsteller des ,Campiello" Erstaunliches, wobei Judith Sarah Hellmann als Catte und Felicitas Mallinckrodt als Pasqua verdientermaßen den meisten Applaus erhalten.

Das Taubengurren im Hintergrund gehört nicht zum Stück, passt aber gut. Solche Effekte gibt es nur noch diese Saison: Ab Herbst wird die Ruine umgebaut, erhält ein Dach, große Glasfenster,.. ,,Das Open-Air-Flair ist dann weg. Aber ohne Umbau könnten wir hier nicht dauerhaft weiterspielen, weil die Lärmschutzauflagen immer strenger werden. Außerdem werden danach keine Veranstaltungen mehr wegen schlechten Wetters ausfallen", sagt Sven Dietze vom Theaterbüro St. Pauli. Voraussichtlich ab Mai 2012 öffnen sich die Türen der umgebauten Theaterruine wieder.

 

 

Neustadt Zeitung
Juli/August 2010
Autor Beate Diederichs