Campiello
Die Ruine der St. Pauli Kirche wird zum venezianischen Platz, um den sich das Leben der Bewohner der angrenzenden Häuser dreht.

Auf dem "Campiello" und von den Fenstern der Wohnungen aus wird gemeinsam gelacht, werden Streitigkeiten ausgetragen und Hochzeiten beschlossen. Und alles auf für den Zuschauer amüsante Weise. Die alternden Mütter Pasqua (Felicitas Mallinckrodt) und Catte (|udith Sarah Hellmann) sind arm, ohne Mann und wollen ihre Töchter gut verheiratet wissen. Pasquas Tochter Gnese (Andrea Mönkhoff) soll Zorzetto (Jens Wagner) heiraten, Lucietta (Daniela Wittig), Cattes Tochter, ist bereits mit Anzoletto (Sebastian Hellmann) verlobt. Missverständnisse unter den Beteiligten und die Ankunft des vermeintlich reichen Cavalieres (Jan Dietl), der nicht nur die Töchter, sondern auch die Mütter umgarnt, sorgen für zeitweilig neue Konstellationen und amüsante Jagden durchs Publikum. Doch der Auftritt des Neuen lässt die Bewohner auch näher zusammenrücken. Die Nutzung des ganzen imposanten Raumes und die Einbeziehung des Publikums, die allerdings nie unangenehm wirkte, waren ein Erfolg und sorgten für eine lockere Stimmung unter den Zuschauern. Besonders die Auftritte des Fabrizio (Karl Weber),der sich, hoch oben auf einer Empore und in Unterwäsche bekleidet, über den Lärm beschwert und der eigentlich nur seinen Essay über das Liebesleben der Miesmuscheln beenden will, waren ein Augenschmaus. Ein leichtes Sommertheater, das auch über kurze Textschwierigkeiten beim Lied der Bewohner hinwegsehen lässt.

Alexandra Niedermeier


 

 

adrem
21.07.2010
von Alexandra Niedermeier