Lebensfroher Sommer
Mit der humorvollen Verwechslungskomödie "Figaros Hochzeit" von Beaumarchais eröffnete die Sommersaison in der St. Pauli Theaterruine.

Vom bisher eher kühlen Wetter und anderen widrigen Umständen lässt sich das freie Theaterensemble in dem romantischen Kirchgemäuer im Hechtviertel nicht die Spiellaune verderben. Mit gewohnt heiter-hintergründigem Wortwitz und originell kostümiert als Jagdgesellschaft kam die intrigenreiche Verwicklungskomödie unter Regie von Jörg Berger und ausgestattet von Kathleen Mai auf die Bühne. Da regnen abwechselnd Backpfeifen und Liebesschwüre auf die Darsteller herab. Witzig der Graf Almaviva (Holger Tempels) als wild-wutschnaubender Lüstling mit Stierhörnern, der als Dienstherr das so schöne wie widerborstige Kammermädchen Susanne (Ingrid Schütze) noch vor ihrer Hochzeitsnacht mit Kammerdiener Figaro (Tobias Schmidt) erobern möchte. Susanne, die coole Gräfin (Ilka Knigge) und ein reizend unverschämter Page (Yvonne Dominik) führen den untreuen Gemahl listig verführerisch hinters Licht - beim nächtlichen Stelldichein erreicht das reichlich komische Verwirrspiel zum Gaudi der Zuschauer seinen Höhepunkt. Die nächste Eigenproduktion ,,Der Campiello" von Carlo Goldoni feiert am 9. Juli Premiere. Sie erzählt vom lebensbrodelnden Alltag in einem Hinterhofhaus und dessen sehr verschiedenen Bewohnern mitsamt ihrer Freuden, Sorgen und Sehnsüchte. Die kennt auch der Verein der Theaterruine zur Genüge, der für die vielbesuchte Open-Air-Spielstätte und damit verbundene Lärmbeschwerden von Anwohnern seit längerem um eine verträgliche Lösung bemüht ist. Unlängst stimmte der Stadtrat einhellig dem langersehnten Ausbau der St. Pauli Theaterruine mit 2,6 Millionen Euro aus Städtebaufördermitteln zu. So soll noch der Fertigstellung 201 2 noch Entwürfen des Dresdner Architekturbüros Dähne ein filigranes Glasdach in Formeiner Wolke dos bisher himmeloffene Kirchgemäuer überspannen, um ,,lärmreduziert und wetterunabhängig spielen zu können", so der Vereinsvorsitzende Jörg Berger. Derzeit dürfe außer bei Premieren nur bis 2 I Uhr gespielt werden, was absurd sei als Sommertheater. Aufgrund der strengen Ämterauflagen gebe es bei insgesamt 99 Veranstaltungen diesmal nur zwei Gastspiele, ein Konzert mit dem Blauen Einhorn, und die Gruppe Spielbrett zeigt "Macbeth". Das bedeutet einen Kraftakt für die begeisterte Truppe mit15 Laiendarstellern, die oft in mehreren Stücken spielen, in ihrer Freizeit, und dafür auch mal den Urlaub ausfallen lassen. Während der Bauzeit in der Theaterruine im nächsten Jahr wird an anderen Orten gespielt, wie im neuen Kulturtreff ,,St. Pauli Salon" gleich um die Ecke in der Hechtstraße 32, wo bereits zu Lesungen, Theaterspiel und Ausstellungen eingeladen wird.


 

 

Stadtmagazin
12.07.2010