Denn nur ein Weib...
Saisoneröffnung in der Theaterruine St. Pauli

...kann solch ein fürchterliches Durcheinander schaffen. So lässt Tirso de Molina eine seiner Figuren das (Bühnen-)Geschen zusammenfassen: Da hat sich doch Don Martin erdreistet, die schöne Dona Juana zu verlassen und das auch noch nach schriftlichem Eheversprechen – was selbstverständlich nach Korrektur verlangt und nach ein wenig Rache.

Oder auch ein bisschen mehr. Also stürzt die Schöne, verkleidet als „Don Gil von den grünen Hosen“, so auch der Titel des Stückes, alle Beteiligten und noch mehr Unbeteiligte in Liebeswirren, Mitgifthoffnungenund Gewissenbisse. Da werden Personen erfunden und Schwangerschaften, klösterliche Buße ersonnen, Todesfälle und Geistererscheinungen.

Kurzum, ein Stück, wie geschaffen für die Schauspieltruppe der Theaterruine. Doch was nach leichter Kost klingt, ist mehr als fröhlich-burleskes Sommertheater, ist auch kluge Stückauswahl. Denn fein wird Molinas Theaterkonzept aufgenommen, das in etwa der „commedia de corral“ entspricht, also eher untypisch für das Barocktheater auf aufwendige Bühneneffekte und –maschinen verzichtet, die Stände mischt und den Darstellern die Möglichkeit gibt, ihre Figuren voll auszuspielen.

Und Tirso de Molinas Hang zu Sitiationskomik und Wortspielerei (köstlich, was mit „Inés“ alles geschieht) kommt natürlich die Truppe um Regisseur Jörg Berger bestens entgegen, dem es im Verbund mit Kathleen Mais nahezu perfekten Kostümen gelingt, Ordnung ins scheinbare Chaos zu bringen. Mit ein bisschen Konzentration, und das kann nicht zu viel verlangt sein von einem Theaterbesucher, ist es problemlos möglich, den Intrigen der fabelhaften Juana zu folgen und sich dabei vortrefflich zu amüsieren: Anke Pokorny-Kropp ist schlicht und ergreifend hinreißend, frei von persönlichen Attitüden ordnet sie alles ihrer Rolle unter, Mimik, Gestik, Gesang, verbaler Ausdruck und die gesamte Körpersprache passen sich dieser einen Figur so vollständig an, als hätte sie nie eine andere gespielt. Ausnahmsweise rückt hier die Hauptrolle die Darsteller ein wenig in den Schatten.
Welch schöne Spielzeiteröffnung.

Regie: fein durchdacht
Hauptrolle: hinreißend
Inszenierung: wunder-, wunderschön

Uta Wiedemann
Dresdner – Das Kulturmagazin Juni 2008

 

 

 

Dresdner Juni 2008

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Jörg Berger