An der Kirchruine rüstet sich Shakespeares tragischer Held
Hamlet auf St. Pauli

DRESDEN - Fällt in Hamburg der Begriff St. Pauli, denkt man an Fußball und
die Reeperbahn. Spricht in Dresden einer von St. Pauli, meint er Theater.
Seit Jahren wird an der Kirchruine St. Pauli hochspannendes (Freiluft-)Theater geboten. Nicht nur im Sommer, da aber besonders.

Ein Laientheater in professioneller Qualität, auf diese Formel lässt sich`s bringen.
Etwa 60 Schauspielerinnen und Schauspieler sind derzeit in dem halben Dutzend
Stücken im Einsatz, die auf dem Spielplan stehen. Einige wenige Profis machen mit,
aber im Großen und Ganzen sind die Künstler in anderen Berufen zu Hause.

Vor schwierigen Stoffen ist man nie zurückgeschreckt, vielleicht ist auch das ein Grund für den Erfolg. Shakespeares Komödien, zum Beispiel, hat man rauf- und runtergespielt. Nun folgt der nächste Schritt- wieder mit Shakespeare, diesmal dem tragischen: "Hamlet." Premiere ist am kommenden Freitag.

 

 

 

 

 

„Das ist von Anspruch und Stückschwierigkeit her unser ambitioniertestes Projekt bisher", sagt Jörg Berger, Intendant und Regisseur der Theatergruppe. Vor ein paar Jahren hätte man sich's noch nicht getraut, jetzt sei die Situation eine andere, ergänzt er.
Berger: „Wir haben in den vergangenen Jahren großes Vertrauen in unser Publikum gewinnen können, dass es uns solche Stoffe abnimmt. Unsere Vorstellungen, sind gut besucht. Nun probieren wir, neben den Komödien auch eine Flanke mit ernsten Stücken aufzubauen."


Etwa zwei Stunden darf eine Inszenierung an der St. Pauli-Huine nach amtlicher Vorgabe dauern, der Anwohner wegen. „Insofern musste das Stück gekürzt werden", erklärt Jörg Berger. Gleichwohl habe man keinen Handlungsstrang beiseite gelassen. Ein bisschen Überwindung sei schon dabeigewesen, den „Hamlet" anzusetzen, gibt der Intendant und Regisseur zu. „Eine gewisse Ehrfurcht ist da. Aber das hat auch unseren Ehrgeiz angestachelt." Und dieser Ehrgeiz ist bisher stets belohnt worden an der Kirchruine St. Pauli - zur Freude des Publikums und des Ensembles.

 

 

Morgenpost 1.7.2008


Die St. Pauli-Kirchruine am Königsbrücker Platz, ein idealer Platz für Sommertheater.

Fotos: Alexander Fuhrmann