Vergnüglicher Sommerabend

Saisoneröffnung der St. Pauli Ruine mit „Ball der Diebe“

 








Jean Anouilh gilt allgemein als einer der wichtigsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Klingt dröge
- ist es aber nicht. Und das St. Pauli-Ensemble hat aus der bitterbösen Cesellschaftskomödie das Beste für seine Bühne gemacht. Die Gaunereien und Maskerade einer diebischen Truppe, nicht weniger eitel als ihre »Klientel« und damit genauso verführbar, stoßen auf Lady Hurf, die sich »langweilt wie eine alte Tapete« und sofort ans intrigante Werk geht. Was folgt, ist - zumindest für den Zuschauer - eine vergnügliche Jagd nach Lust und Lüster, möglichst aus Gold, und der Liebe, die bitte auch echt sein möge.
Regisseur Jörg Berger hat es wieder einmal verstanden, eine Vorlage so zu adaptieren, dass die Talente seiner Darsteller bestens genutzt werden; jede mögliche Klippe, sprich: peinliche Überforderung der (Laien-)Schauspieler vermeidend und sie beständig fordernd und fördernd, wob Berger hier eine vergnügliche Verwechslungskomödie, die einfach unterhält. Und das gelingt auch dank Katja Naumo-vich, die eingestreuten Ufa-Schlager wurden von ihr mit den Darstellern so erarbeitet, dass stimmliche Grenzen gekonnt im Vortrag überblendet werden. Grenzen, die Bert Rodel gar nicht zu besitzen scheint. Sein gesanglicher Auftritt ist einfach hinreißend. Mag die Rolle der Lady Hurf vielleicht auch
die ergiebigste des Stückes sein, Andrea Rump überragte wieder alle und das eben auch dank -Andrea Rump. Das männliche Pendant hinsichtlich der Rolleneinverleibung findet die Inszenierung in Björn Schröder als Gustav, dem verliebten Dieb, Praktikant (!) eben jener Gaunertruppe.

Eine schöne, leichte Inszenierung, kaum wahrnehmbar von Melancholie durchzogen und mit Slapstick versehen - hingehen, Kirschwein trinken und für zwei Stunden alles Traurige vergessen!

UTA WIEDEMANN

Stück: Gesellschaftskomödie
Inszenierung: fein angeschrägte Unterhaltung
Darsteller: hinreißend

 

 




Juni 2007 Dresdner Stadtmagazin