Schiffbruch mit Tiefgang
Shakespeare"Der Sturm" in der Dresdner Theaterruine "St.Pauli"

Stürmische Zeiten oder: Überlebt die Verderbtheit der Menschen selbst auf einsamen Inseln?

Der König von Mailand erleidet samt Gefolge Schiffbruch und strandet auf einer Insel im nirgendwo. Alles ist durch die magischen Kräfte von Ex-Herzog Prospero (Karl Weber) verursacht, den sein Bruder Antonio aus Machtgier vor Jahren vom Thron gestoßen und mitsamt seiner Tochter Miranda (Tina Schenke) in einem Boot ausgesetzt hat.
Seitdem ist Prospero Herr über die besagte Insel sowie über Luftgeist Ariel (originelles Stimmengewirr: die filigranen Elfenmädchen) und den unfügsamen Sklaven Caliban (russische Albernheit: Andreas Rajchert). Prospero will dem intriganten Hofstaat den Spiegel vorhalten und seine Tochter mit Königssohn Ferdinand (Ralf Kursawa) verkuppeln. Gekonnt inszeniert Regisseur Jörg Berger, wie Prospero selbst in einen Strudel aus Machtgier und Komplott gerät, aus dem er sich nur mit Hilfe Ariels und der Kraft des Vergebens befreien kann. Shakespeares mystische Inselstimmung kommt im reizvollen Ambiente der Theaterruine eindrucksvoll zum Vorschein, wozu insbesondere die phantasievolle und herrlich altmodische Ausstattung von Kathleen Mai und die experimentelle Musik von Mario Solazzo beitragen. Das Publikum wird auf feucht-fröhliche Weise von Kapitän Olaf Nilsson in das Geschehen miteinbezogen und bekommt in allen Himmelsrichtungen etwas zu sehen - was leider etwas Unruhe verursacht und nicht jedermanns Sache ist. Dennoch überzeugt das Ensemble durch Spielfreude und Körpereinsatz und beweißt, daß, wenn alle Untaten vereitelt sind, eben doch das Gute siegt... I Nina Penney



 









 

 




27. Juni 2007 ad rem

 





















In Fetzen gestrandet: Der Hofstaat bangt um den König von Mailand.