Die sind nicht echt

„Ball der Diebe“ in der St. Pauli Ruine

Moliere und Shakespeare als Freiluft-Stoffe hat das St. Pauli-Theater schon in petto. Die erste Premiere dieser Saison ähnelt beiden, stammt aber aus der Feder eines Dritten. Jean Anouilh steckt hinter dem „Ball der Diebe", einer possierlichen Gaunerrevue, an-gesiedelt um 1930. In bewährter Konstellation inszeniert Theaterchef Jörg Berger das von Kathleen Mai opulent ausgestattete Stück, eine Komödie, in der Kostüme beinahe die Hauptrolle spielen. Beinahe, denn das Ensemble zeigt eine starke Leistung, die von den Etuikleidern und Kopfputzen der Ragtime-Ära und Pianoklängen (Katja Naumovich) abgerundet wird.
Drei mäßig begabte Kleinganoven mischen sich unter die schön reichen Cöte d'Azur-Urlauber, um ihr Taschengeld aufzubessern. Per Zufallstreffer lügen sie sich in die Haus-gesellschaft der Lady Hurf
(Andrea Rump), deren größte Sorge ihre verblassende Schönheit ist - und mit wem sie ihre vier Nichten vermählt. Muttersöhnchen Diddy Dupont, den Bert Rodel mit Teddybärcharme gibt, hat das Nachsehen: Die Wahl der jüngsten, Julia, fallt auf Gauner Gustav, der sie auch noch erwidert. Nicole Gäßler und Björn Schröder geben ein selig naives Paar ab, das sein Publikums damit erobert, daß es letztlich zu seinen Gefühlen steht - und die Maskerade auffliegen lässt. Regisseur Berger rückt das Publikum mit auf die Bühne, wo sich die Akteure schon mal am Wein der Gäste bedienen und Programmhefte zum Diebesgut erklären. Eine Bedienstete der „Kurverwaltung St. Pauli" im Matrosenfrack beschafft aber umgehend Ersatz.

Tanja Kasischke





 


 

 



Mai 2007ad rem