Presseartikel

Ein "Mozart" von Goethe
"Der Zauberflöte zweiter Teil" in der TheaterRuine
Die "Schnapsideen* von Genies sind immer eine Anekdote wert: Bekanntlich konnte sich Goethe nie so recht damit abfinden, dass es außer ihm noch andere fähige Künstler gab. Vor allem hat es ihn gewurmt, dass "Die Zauberflöte" von Mozart und Schikaneder stammt, und nicht von ihm, Goethe. Also begann er, lange nach Mozarts Tod, eine Fortsetzung der "Zauberflöte" zu schreiben, ein tiefsinniges, mit Symbolen überfrachtetes Libretto, das niemals fertig und auch nie vertont wurde: Tamino und Pamina haben ein Kind bekommen, doch die Königin der Nacht entführt das Kind, und will es töten.

Rechtzeitig gelingt es dem guten Sarastro, das Kind zu retten; das Kind wird in einen Gott verwandelt und rauscht aus einem goldenen Sarg geradewegs in den Himmel, halb Christus, halb Phoenix - oder was Goethe sich auch immer dabei gedacht haben mag.
Jörg Berger (Regie) hat eine ganz reizende Parodie auf dieses pathetische Werk
inszeniert, die aber mit einem Problem zu kämpfen hat: "Der Zauberflöte zweiter Teil" von Goethe ist praktisch nicht existent: Es fehlt, wie gesagt, die Musik, und der Text ist zum größten Teil fragmentarisch geblieben. Wo soll da eine Satire ansetzen, was soll sie lächerlich machen, wenn fast nichts da ist?

Also findet man witzige Detaillösungen: Die Priester um Sarastro losen aus, wer auf Pilgerschaft gehen soll. Dabei tragen sie groteske Halskrausen, die aussehen wie riesige Ananasscheiben. Papageno (Bert Rodel) und Papagena (Katja Ammer) streiten sich so lange, bis sie endlich Kinder kriegen - normalerweise ist es umgekehrt! - das ist eine Szene, die sogar bei Goethe schön gelungen ist. Alle Beteiligten haben aus dem Werk das Mögliche herausgeholt: Es gibt viele nette Szenen, und keinen Grund sich zu ärgern. Aber man hat zu Beginn die Messlatte sehr hoch angelegt: Wissend um die Dürftigkeit des Stoffs, hat man, um ein abendfüllendes Programm zusammenzustellen, eine lustige
Einführung in Mozarts "Zauberflöte" vorangestellt, satirische Szenen, in die das Publikum mit einbezogen wird: Die Hoffnung, es werde deshalb wieder einen "Sommerhit" geben wie
"der schwarze Bär", eine Screwballkomödie "von Goethe", die eine konkurrierende Theaterkompanie letztes Jahr auf die Beine gestellt hat, hat sich in Ermangelung eines vollständigen Textes nicht ganz erfüllt. Doch sehenswert war das allemal, auch wenn die Musik (Mario Sollazo) etwas zu kurz kam. Aber bis ein zweiter Mozart geboren wird, das kann noch lange dauern! Das ist eine Wahrheit, die schon Goethe nicht wahrhaben wollte!


 




02.05.2005 - DNN von Thomas Fekl