Presseartikel

Sommerfrohes Verwirrspiel, schönes
Shakespeares "Wie es Euch gefällt" in der TheaterRuine

Von Shakespeare heißt es, man könne viel falsch machen mit ihm und das gelte für seine Lustspiele ganz besonders. Und was macht die TheaterRuine in ihrer Eigenproduktion? Alles richtig! Eines aber fällt an dieser Inszenierung, die den komödiantischen Aspekt betont, besonders auf: Es gelingt ihr, durchgehend die Balance zwischen schrill-schrägem Gestus und textangemessenem Agieren zu halten. Selbst das in der TheaterRuine so beliebte Spiel mit dem Sächsischen wird hier weitgehend aufgegeben zu Gunsten eines punktgenauen, fast nur andeutenden Einsatz des Dialektes. Die damit erzielte Wirkung ist um ein Vielfaches größer, denn die Figuren, u.a. Silvius, der Schäfer (Tom Pilath), werden so vor der Bloßstellung bewahrt und unaufdringlich in ihren Eigenheiten akzentuiert.
Das Elend, das historisch bedingte wie das menschliche, vor dessen Folie Shakespeares Stück sich entfaltet, erfährt, wie gesagt, keine sonderliche Betonung, nur Torsten Troisch als Orlando und Karl Michael Weber als Diener lassen ihre Figuren dem Rechnung tragen. Troisch mit wuchtig-ernstem, aber unpathetischem Spiel und Weber mit seinen kleinen Gesten der Müdigkeit. Bravo, auch hier hat die Inszenierung gut ausbalanciert, denn mehr davon ließe sie ins zumindest Unentschlossene kippen. Und damit wird Regisseur Jörg Bergers Shakespeare schließlich zu einer echten Überraschung, er erreicht es, den Zuschauer ganz mit Freude zu erfüllen, die noch lange vorhält. Wie oft lässt sich das schon von Theater sagen?


Regie: gut durchdacht
Darsteller: gut abgestimmt
Inszenierung: schön im besten Sinne

 




Juli 2005 - Dresdner von Uta Wiedemann