Presseartikel
Premiere des „Sommernachtstraums" in der Theaterruine:
Beziehungskrach und natürlich Versöhnung am Ende

Trotz des nicht sehr gemütlichen Wetters war die Theaterruine St. Paiili am Abend des 20. Juni voll besetzt. Ein zahlreiches Publikum wollte die Premiere von William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum" sehen - und kam bei der Inszenierung des Theaterruine St. Pauli e. V. sichtlich auf seine Kosten.

Auch Kobolde müssen mal auf die Toilette. Schlimm nur, wenn davor rund 20 Zuschauer stehen und nur noch zwei Minuten bis zum Ende der Pause sind.... Am Ende konnte der Waldgeist Puck, im wirklichen Leben Barbara Reinhardt, noch pünktlich im Zauberwald erscheinen. Die Unbequemlichkeit, weil es in der Ruine nur eine 'Toilette gibt, war dann auch der einzige Wermutstropfen dieser gelungenen Aufführung.

Sogar das Wetter entsehloss sich mitzuspielen - allerdings erst nach einem Gewitterguss, der den Beginn des Schauspiels um eine halbe Stunde verschob. Stürmisch blieb es jedoch, sowohl wettertechnisch als auch auf der Bühne, Hermia liebt Lysander, soll aber Demetrios heiraten, den wiederum ihre Freundin Helena liebt. Das Liebespaar flieht, verfolgt von Helena und Demetrios, in einen Wald vor den Toren der Stadt Athen. Prompt geraten sie in den „Beziehungskrach" des Elfenkönigs Oberon mit seiner Königin Titania.

Außerdem verirrt sich eine Gruppe trotteliger Handwerker dorthin, die bei der Hochzeit des Herzogs von Athen (Gab es in Athen Herzöge? Egal!) die dramatische Geschichte von Pyramus und Thisbe aufführen sollen.
Der bereits erwähnte Kobold Puck stiftet gehörige Verwirrung zwischen allen Beteiligten und freut sieh diebisch darüber. Am Ende ist natürlich alles wieder gut, es gibt eine Dreifachhochzeit, und Oberon und Tilania haben sich auch versöhnt, als wäre nichts gewesen. Oder, wie Puck sagt: „Wenn sie erwachen, soll alles nur ein Spiel gewesen sein".

Apropos Spiel: Die Darsteller, mit Ausnahme von Tilania-Darstellerin Andrea Rump Laien, agierten mit großer Spielfreude und, nicht nur für Amateure, beachtlichem Geschick. Alle sind übrigens Schüler, Studenten oder ehemalige Mitglieder des Arbeitslosentheaters Reick. Beeindruckend auch, wie sie die speziellen Gegebenheiten, die die St.-Pauli-Ruine bietet, nutzen, um ihr Spiel noch lebendiger zu machen. So beschimpft Titania ihren Elfengatten von der einstigen Empore herab, oder Puck sitzt auf einem Podest mitten im Publikum. Da störte es nicht sehr, daß die Akustik etwas zu wünschen übrig ließ. Auch der Umstand, daß der Herzog von Athen sächselte, machte ihn eher liebenswert als unvollkommen.
Alle Darsteller spielen übrigens ohne Gage, „Die Einkünfte unserer eigenen Programme fließen in die Betreibung der Ruine", so Rainer Fahrenbruch, 2. Vorstand des Theaterruine St. Pauli e.V. Bestehtt also eventuell Hoffnung auf eine, nun, zweite Toilette? „Wir arbeiten dran!"

Von Beate Diederichs

 




Juni 2003 - Neustadt
von Beate Diederichs